KI im Unternehmen: Das eigentliche Problem ist nicht die Technologie
Alle reden über KI.
Auf Veranstaltungen, in Podcasts, in Fachartikeln und natürlich in den sozialen Medien. Fast täglich lese ich davon, dass Unternehmen jetzt KI einführen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dass Führungskräfte ihre Mitarbeitenden mitnehmen müssen. Dass niemand den Anschluss verpassen darf. Und trotzdem habe ich in vielen Gesprächen den Eindruck, dass etwas Entscheidendes fehlt: Ein klares Bild davon, mit welchem Ziel KI überhaupt eingesetzt werden soll.
KI ist kein Ziel
Wenn ich Unternehmer:innen oder Führungskräfte frage, was durch KI konkret besser werden soll, wird es oft erstaunlich schnell still.
Natürlich gibt es viele Ideen:
Prozesse beschleunigen
Kosten senken
Wissen schneller verfügbar machen
Routinetätigkeiten automatisieren
Mitarbeitende entlasten
Das sind gute Ansätze. Aber häufig bleiben sie sehr allgemein. Die eigentliche Frage lautet doch:
Welches konkrete Problem wollen wir lösen?
Denn KI ist kein Ziel. Sie ist ein Werkzeug. Niemand würde auf die Idee kommen zu sagen: "Wir führen jetzt Hämmer ein." Man würde sagen: "Wir wollen ein Haus bauen." Erst dann stellt sich die Frage, welche Werkzeuge dafür sinnvoll sind. Bei KI erleben wir derzeit oft das Gegenteil. Viele Unternehmen beschäftigen sich zuerst mit dem Werkzeug und erst danach mit dem eigentlichen Zweck.
Chaos statt Orientierung
Warum viele Mitarbeitende skeptisch reagieren
In Workshops und Coachings erlebe ich immer wieder, dass die Skepsis gegenüber KI häufig falsch interpretiert wird. Oft wird angenommen, Mitarbeitende seien technikfeindlich oder würden Veränderungen blockieren. Meine Erfahrung ist eine andere. Die meisten Menschen haben kein grundsätzliches Problem mit neuen Technologien. Sie haben ein Problem mit Unsicherheit.
Wenn Menschen nicht wissen,
wohin die Reise geht,
welche Erwartungen künftig an sie gestellt werden,
welche Aufgaben sich verändern,
welche Kompetenzen wichtiger werden,
und welche Rolle sie künftig im Unternehmen spielen,
entstehen verständlicherweise Fragen. Manche sprechen diese Fragen offen aus. Andere ziehen sich zurück. Wieder andere reagieren mit Widerstand. Hinter all dem steckt häufig kein Unwille, sondern das Bedürfnis nach Orientierung.
Die Geschichte wiederholt sich
Wenn wir ehrlich sind, ist diese Entwicklung nicht neu. Das Telefon hat den Brief nicht vollständig ersetzt, aber die Kommunikation verändert. Das Auto hat die Pferdekutsche verdrängt. Der Computer hat die Schreibmaschine abgelöst. Und das Internet hat ganze Branchen verändert. Immer gab es Unsicherheit. Immer gab es Skepsis. Und immer gab es Menschen, die zunächst nicht überzeugt waren. Das ist normal. Menschen sind keine Maschinen. Sie prüfen Neues zunächst auf Chancen und Risiken. Genau diese Vorsicht hat uns evolutionär vermutlich ziemlich weit gebracht.
Niemand muss von Nützlichkeit überzeugt werden
Ich glaube nicht, dass Unternehmen ihre Mitarbeitenden dauerhaft für KI begeistern oder motivieren müssen. Wenn KI tatsächlich hilfreich ist, wird sie sich durchsetzen. Menschen nutzen Werkzeuge, die ihnen das Leben erleichtern. Das beobachten wir jeden Tag. Die entscheidende Aufgabe von Führung besteht deshalb aus meiner Sicht nicht darin, Begeisterung zu erzeugen. Sondern Rahmenbedingungen zu schaffen.
Was Mitarbeitende stattdessen brauchen
Wenn Unternehmen KI sinnvoll einführen möchten, brauchen Mitarbeitende vor allem vier Dinge:
1. Ein klares Ziel
Wozu setzen wir KI ein?
Welche Probleme wollen wir lösen?
Was soll für Kunden, Mitarbeitende oder das Unternehmen besser werden?
2. Orientierung
Welche Aufgaben verändern sich?
Welche bleiben bestehen?
Welche neuen Kompetenzen werden wichtig?
3. Sicherheit
Welche Regeln gelten?
Wo liegen Grenzen?
Was ist erlaubt und was nicht?
4. Erfahrungsräume
Menschen bilden sich ihre Meinung nicht durch Präsentationen. Sie bilden sie durch Erfahrungen. Deshalb braucht es Möglichkeiten zum Ausprobieren. Kleine Pilotprojekte, konkrete Anwendungsfälle, Zeit zum Lernen, und die Erlaubnis, Fehler zu machen.
Führung in Zeiten von KI
Vielleicht besteht die wichtigste Aufgabe von Führung in den kommenden Jahren nicht darin, jede neue Technologie sofort zu beherrschen. Sondern Orientierung zu geben, wenn andere noch unsicher sind. Nicht jede Frage wird sich sofort beantworten lassen. Aber Menschen möchten wissen, dass jemand einen Plan hat. Dass jemand die Richtung kennt. Und dass sie auf dem Weg nicht allein gelassen werden.
Mein Fazit
Die eigentliche Herausforderung bei KI ist aus meiner Sicht nicht die Technologie. Die Herausforderung besteht darin, gemeinsam herauszufinden, welchen Nutzen sie stiften soll und wie wir den Übergang gestalten. Eine gesunde Skepsis gegenüber Neuem ist dabei nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Sie hilft uns, Chancen und Risiken sorgfältig abzuwägen. Entscheidend ist, dass wir diese Skepsis nicht als Widerstand missverstehen, sondern als Einladung zu einem Gespräch. Denn dort, wo Ziele klar sind, Orientierung gegeben wird und Menschen eigene Erfahrungen sammeln können, entsteht meist etwas sehr Wertvolles: Neugier.
Und genau diese Neugier wird vermutlich wichtiger sein als jede Technologie selbst.
Wie erleben Sie die Einführung von KI in Ihrem Unternehmen? Gibt es bereits einen klaren Plan – oder steht aktuell vor allem die Technologie im Mittelpunkt? Ich freue mich auf den Austausch. Schreiben Sie mir.